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Wenn der 1/2 Marathon plötzlich 120km hat

17. Februar 2019

Half Marathon Des Sables Peru

Der Half Marathon des Sables Peru ist kein gewöhnlicher Wettkampf. Zunächst einmal ist er kein Halbmarathon. Er ist ein 120 km langer Ultramarathon. Er dauert vier Tage. Und er führt durch die Wüste. Hier erzählt ein Läufer, der sich der Herausforderung von Anfang bis Ende gestellt hat, von seinen Erfahrungen.

Damien Bettinelli arbeitet für die französische Outdoor- und Abenteuer-Publikation Les Others. Eines ist klar: mit rauem Gelände kennt er sich aus. Durch unwirtliche Landschaften einen Weg von A nach B zu finden – das gehört zum Job. Doch seine neueste Herausforderung führte ihn ins gänzlich Unbekannte: 120 km und vier Tage in der Wüste beim Half Marathon des Sables Peru.

Beim letzten Mal testeten Damien und einige seiner Freunde den Cloudventure Trailschuh auf dem Schweizer Abschnitt des legendären Wanderwegs Via Alpina bereits drei Tage lang auf Herz und Nieren.

Doch Damiens nächste Entdeckungsreise sollte eine ganz neue Prüfung für die Missiongrip™-Aussensohle des Schuhs darstellen. Als er seinen Kollegen erzählte, dass er für einen viertägigen Ultramarathon in die peruanische Wüste reisen würde, sagten sie im Scherz, dass sie ihn wohl nie wiedersehen würden. Zumindest hoffte Damien, dass es ein Scherz war …

Wir freuen uns, dass Damien wohlbehalten von seinem unglaublichen Offroad-Abenteuer zurückgekehrt ist. Hier erzählt er von seinen Erlebnissen.

Damien, selbst für dich sind 120 km durch die Wüste eine grosse Herausforderung. Wieso hast du sie angenommen?

Damien: «Der Wettkampf erschien mir wirklich sehr anspruchsvoll. Was mich überzeugt hat, war die Möglichkeit, eine unbekannte Landschaft erkunden zu können. Bevor ich von dem Rennen erfuhr, hatte ich noch nie von der Ica-Wüste gehört, und ich war auch noch nie in Peru gewesen. Ich habe kurz auf Google Maps nachgeschaut und atemberaubende Bilder von Dünen gefunden, von denen aus man den Pazifik sieht. Und da war die Entscheidung gefallen: dieses Abenteuer musste ich einfach erleben.»

Hat dich deine letzte Mission in den Schweizer Alpen darauf vorbereitet, über Berge aus Sand zu laufen? 

«Definitiv – die Zeit auf der Via Alpina war tatsächlich das beste Training. Wenn man die Schweizer Berge bezwingt, kann man alles schaffen. Das Laufen im Sand ist sehr anstrengend, also muss man sich entsprechend vorbereiten. Auch in der Schweiz sind wir einige Tage lang gelaufen; meine Beine waren darum auf die mehrtägige Herausforderung vorbereitet. Trotzdem war das Gelände in Peru natürlich anders – in den Alpen gibt es nicht viel Sand!»

Was war das Schwierigste am Half Marathon des Sables Peru?

«Ganz klar der Wind. In der Ica-Wüste ist es eigentlich gar nicht so heiss, da sie sehr nah am Meer liegt. Aber obwohl der Wind erfrischend wirkt, ist er gleichzeitig ein unsichtbarer Feind. Starker Gegenwind über mehrere Kilometer hinweg ist echt anstrengend. Er macht dich langsamer und raubt dir deine Energie. Ausserdem sorgt er für Mini-Sandstürme, sodass dir der Sand auf die Beine und ins Gesicht prasselt.»

Hat dich bei diesem Wettkampf etwas überrascht?

«Ich war tatsächlich überrascht, wie wenige Läufer Stöcke benutzt haben. In den Schweizer Bergen waren sie schon sehr hilfreich, aber in der Wüste fand ich sie einfach unverzichtbar. In flachem Gelände helfen dir Stöcke, das Gleichgewicht zu halten. Beim Laufen bergauf verhindern sie, dass du über den Sand zurück rutschst.»

Wie hat sich der Cloudventure Trailschuh in den Dünen geschlagen? 

«Er war perfekt. Wegen des vielen Sandes musste ich Gamaschen darüber tragen. Da diese Gamaschen auch die Füsse bedecken, ist es sehr wichtig, leichte und atmungsaktive Schuhe zu haben. Ausserdem ist es absolut unerlässlich, sich in seinem Schuh wohlzufühlen – sonst riskiert man schon am ersten Tag eine Blase, und das bei einem mehrtägigen Rennen. Der Cloudventure hat seine Aufgabe in jeder Hinsicht erfüllt.»

Was hat ein Wüstenläufer in seinem Pack?

Laut Damien besteht die grösste Herausforderung beim Half Marathon des Sables Peru nicht in der Distanz oder der Hitze, sondern in der Logistik:

«Der Wettkampf basiert auf dem Prinzip der Selbstständigkeit», erklärt Damien. «Jeder Läufer versorgt sich selbst mit Essen und muss alles bei sich tragen, was er braucht (abgesehen von Wasser; darum kümmert sich die Rennleitung).» Folgendes hatte Damien in seinem Rucksack, der an der Startlinie noch 7 kg wog:

Nahrungsmittel: 4 kg gefriergetrocknete Mahlzeiten für ca. 3.000 Kalorien pro Tag. Es gibt verschiedene herzhafte Speisen (Pasta, Reis, Püree, Taboulé) und süsse Optionen (Kompott, Cremes, Müsli). Ausserdem jede Menge Energieriegel als Snack beim Laufen und kohlenhydrathaltige Getränke mit Mineralien für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei der Hitze und zur Regeneration nach dem Laufen.

Küchen-Set: Ein kleiner Spirituskocher und ein Löffel. «Ich war ohnehin noch nie ein grosser Koch!» sagt Damien.

Schlafsachen: Eine Matte und ein guter Schlafsack sind unentbehrlich. Der Schlafsack sollte warm genug sein (nachts können die Temperaturen auf 10 °C fallen), ausserdem leicht und kompakt.

Obligatorische Ausrüstung (vorgeschrieben vom Veranstalter): Sonnenschutz, ein Signalspiegel, ein Messer, dein Pass, eine Stirnlampe, eine Rettungsdecke, ein Feuerzeug, eine Trillerpfeife, ein Antiseptikum, Sicherheitsnadeln und etwas Bargeld.

Kleidung: Obwohl das Rennen auf dem Sand am Meer stattfindet, betont Damien, dass es kein Urlaubsvergnügen war. Wenn man vier Tage lang dieselbe Kleidung tragen muss, sind leichte, schnell trocknende Sachen wie das Long-T und die Hybrid Shorts ein Muss. Gamaschen, ein Schal oder Ähnliches zum Schutz des Gesichts und Stöcke sind ebenfalls unerlässlich, wenn man sich dem Sand stellen will.

Seine Tour durch den Wüstensand hat Damien überstanden. Zieht es ihn zurück in die peruanische Wüste?

«Das Format hat mich wirklich begeistert. Ich würde gern noch ein mehrtägiges Rennen mitmachen. Aber bei dieser Erfahrung ging es vor allem um den Reiz des Unbekannten und darum, diese atemberaubende Landschaft zu entdecken. Deshalb bin ich offen für neue Ideen – und für neue Abenteuer.»

Damiens vollständigen Bericht über das Rennen findest du auf lesothers.com (nur Französisch).

Bild & Text: www.on-running.com

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