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Puristen, Traditionalisten, Newcomer: Kaffeespezialitäten und ihre Eigenheiten

27. Januar 2017

Puristen, Traditionalisten, Newcomer: Kaffeespezialitäten und ihre Eigenheiten

Bild1Coffee“ (CC BY-SA 2.0) von Matt Biddulph

Die Liste der Kaffeespezialitäten ist ellenlang. Während manche Kaffeeliebhaber die Spreu vom Weizen gern scheiden, indem sie schlicht und ergreifend auf ihre Nationalhelden ein Loblied anstimmen, ist es nicht minder denkbar, Puristen von Traditionalisten und Newcomern zu trennen. Auch wenn bei diesem Ordnungsversuch die Grenzen mitunter verschwimmen, ist mit ihm vor allen Dingen Kaffeedebütanten gedient.

Puristen

Der Klassiker schlechthin, der ohne Zusätze auskommt, ist der Espresso. Der in kleinen Tassen servierte, stark aromatische Kaffee wird mit hohem Druck durch extrem feines Kaffeepulver gepresst. Für gewöhnlich wird er schwarz ohne Zucker getrunken, darf aber freilich nach Belieben gesüßt werden. Im Verein mit einem Grappa wird er zum Caffè Corretto.

Der vornehmlich im arabischen Raum beheimatete türkische Kaffee erfreut sich auch in europäischen Breiten zunehmender Beliebtheit. Zubereitet wird der Mokka meist durch zweimaliges Aufkochen des feinen Kaffeepulvers mit Wasser in einem langstieligen Kännchen. In den heiß ausgeschwenkten Tassen landet dabei nach dem ersten Aufkochen der entstandene Schaum, sodann nach dem zweiten Aufkochen der Kaffee samt Kaffeepulver. Der Kaffee muss ziehen, bis sich der Kaffeesatz am Boden der Tasse abgesetzt hat. Mit ein paar Tropfen eiskaltem Wasser darf gern nachgeholfen werden.

Bild2Morning Turkish coffee“ (CC BY-SA 2.0) von marviikad

Traditionalisten

Kaffeespezialitäten mit Milch

Den Cappuccino muss niemand vorstellen. Er ist selbst in Coffee-Shop-Ketten wie Starbucks längst zuhause. Speziell bei dem Einzelhandelsunternehmen wundert sich alle Welt aber bei Tage besehen auch mehr über die höchst eigentümliche Preispolitik. So geht aus einer Studie des Verbraucherportals Gutscheinsammler hervor, dass ein Cappuccino in Warschau um 2,55 Euro zu haben ist, während Starbucks dafür in Bern 5,39 Euro berechnet. Am Produkt kann es schwer liegen, denn ein Cappuccino fordert zwingend einen einfachen Espresso und zwei Teile Milchschaum. Dabei ragt die feste Milchschaumhaube leicht über den Tassenrand hinaus.

 

Erfreulich ist, dass Starbucks nicht anders als Costa Coffee in Großbritannien seit 2010 den Flat White auf der Karte hat. Damit ist der in Australien verbreitete Kaffee wenigstens den Briten ein Begriff. Der geringe Bekanntheitsgrad erstaunt umso mehr, als den Flat White vom Cappuccino nicht viel unterscheidet. Beide verwenden dieselben Zutaten und werden in Tassen normaler Größe (ca. 120 ml) serviert. Der Flat White ist lediglich etwas stärker, weil seine Zubereitung einen doppelten Espresso Ristretto, kurzum eine konzentrierte Espresso-Variante verlangt.

Flat White Coffee“ (CC BY 2.0) von russelljsmith

Auf eine lange Tradition blickt die Wiener Melange zurück. Bereits seit 1830 trägt sie ihr Teil zur berühmten Wiener Kaffeehauskultur bei. Serviert wird der aus einem leicht verlängerten Espresso oder Wiener Mokka, heißer Milch und etwas Milchschaum bestehende Kaffee in einer großen, flachen Porzellanschale mit Henkel (ca. 200 ml). Üblicherweise wird dazu ein Glas Wasser kredenzt.

Bild 3Kaffeespezialitäten mit Alkohol

Der Schuss Alkohol verleiht dem aromatischen Heißgetränk die besondere Note. Während der Rüdesheimer Kaffee mit Weinbrand flambiert wird, ehe ihm Sahne, Vanillezucker und Schokoladenstreusel den letzten Feinschliff geben, hat der Pharisäer eine ordentliche Ladung Rum unter der Sahne. Im Unterschied dazu wird der Fliegende Holländer mit Eierlikör verfeinert.

Als kanarische Spezialität ist der Barraquito in aller Munde. Serviert wird er in einem Glas. Optisch besticht er durch die klar voneinander zu unterscheidenden Schichten. Er vereint einen Espresso, Kondensmilch, aufgeschäumte Milch, Likör und eine frische Zitronenschale unter einem Dach.

Kaffeespezialitäten mit Eis

Als Erfrischungen in den heißen Sommermonaten werden Kaffeespezialitäten mit Eiswürfeln oder Speiseeis gereicht. So wird etwa für den portugiesischen Café Mazagran ein hohes Glas halb voll mit Eiswürfeln gefüllt, über die der gesüßte Kaffee gegossen wird. Verfeinert wird das Ganze endlich mit etwas Zitronensaft oder einem alkoholischen Getränk. In Vietnam dagegen kommen Erholungsuchende wie Einheimische unter Garantie durch einen Eiskaffee mit Milch, Cà phê sua dá oder Cà phê nau dá genannt, auf Touren.

Kaffeespezialitäten mit Sirup

Aromatisierter Kaffee, besser bekannt als Flavored Coffee, gehört zum Wesen der USA. Begonnen hat alles mit einem Produkt aus Espresso, Milchschaum und einem Schuss Sirup in San Francisco, ehe in den 80er-Jahren nach und nach Kaffeeliebhaber aus der ganzen Welt an der Zugabe von Sirup Gefallen fanden. Es gibt faktisch keinen Kaffee, der sich nicht individuell aromatisieren lässt und den Kaffeeliebhabern den American Way of Life ins Bewusstsein rückt.

Newcomer

Der grüne Kaffee ist unstreitig der Neuling in der Szene. Bei ihm handelt es sich um den sogenannten Rohkaffee. Heißt im Klartext: Der grüne Kaffee wird nicht geröstet, sondern in seiner unbehandelten, getrockneten Form gemahlen.

Im Geschmack ist er deutlich milder und erinnert stark an grünen Tee. Vor allen Dingen wird der grüne Kaffee aber als Wundermittel gegen überschüssige Pfunde gehandelt. Geschuldet ist dieser gute Ruf der Chlorogensäure. Während sie beim Rösten des Kaffees großteils abgebaut wird, bleibt sie in den grünen, ungerösteten Kaffeebohnen erhalten. Angesichts eines kolportierten Gewichtsverlusts von einem halben Kilo pro Woche ohne Änderungen der Essgewohnheiten ist der Hype um die grünen Dinger verständlich.

Was ist grüner Kaffee? von Grüner Kaffee

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